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Hausgeburt: Gut vorbereitet, sicher begleitet, richtig gehandelt

Autorenbild: Hebamme Raphaela
Hebamme Raphaela
1. Sept.
5 Min. Lesezeit

„Du planst eine Hausgeburt? Oh Gott, hast Du da keine Angst, dass etwas passieren kann?“


Vielleicht ist das eine der ersten Reaktionen, die man hört, wenn man über eine Geburt zuhause nachdenkt.


Dabei kann die Vorstellung wunderschön sein: in den eigenen vier Wänden bleiben, nicht mit starken Wehen ins Auto steigen müssen, vertraute Geräusche und Gerüche, die eigene Dusche, das eigene Bett. Keine fremde Umgebung, in die man sich mitten unter der Geburt erst einfinden muss.


Hausgeburt im Geburtspool
Hausgeburt mit Hebamme Raphaela im Geburtspool

Und gleichzeitig gibt es dieses kleine große Aber:

  • Was, wenn ich etwas gegen die Schmerzen möchte?

  • Was, wenn die Herztöne auffällig werden?

  • Was, wenn die Geburt nicht weitergeht?

  • Was, wenn mein Baby nach der Geburt Hilfe braucht?


Diese Fragen sprechen nicht gegen eine Hausgeburt. Sie gehören zu einer guten Vorbereitung darauf einfach dazu.


Eine geplante Hausgeburt lebt schließlich nicht davon, fest genug daran zu glauben, dass schon alles gut gehen wird. Sie lebt davon, Physiologie zuzulassen – und gleichzeitig zu wissen, wann etwas nicht mehr physiologisch verläuft.


Nervosität und Vertrauen dürfen dabei übrigens gleichzeitig Platz haben.



Warum überhaupt eine Hausgeburt?

Bei all den Diskussionen über Sicherheit geht manchmal unter, dass es auch fachlich gute Gründe für eine Hausgeburt gibt.


Für gesunde Frauen mit niedrigem geburtshilflichem Risiko zeigen große internationale Untersuchungen in gut integrierten Versorgungssystemen vergleichbare perinatale und neonatale Sterblichkeitsraten bei geplanter Haus- und geplanter Klinikgeburt.


Gleichzeitig sind bei geplanter Hausgeburt unter anderem Kaiserschnitt, operative vaginale Geburt, Epiduralanalgesie, Episiotomie und Wehenverstärkung seltener.


Das bedeutet nicht, dass medizinische Interventionen etwas Schlechtes sind. Wenn sie notwendig sind, sind sie unglaublich wertvoll. Eine physiologisch verlaufende Geburt braucht sie aber eben nicht automatisch.


Auch die "International Confederation of Midwives" beschreibt die geplante Hausgeburt bei niedrigem Risiko, begleitet von einer qualifizierten und entsprechend ausgestatteten Hebamme sowie mit funktionierenden Verlegungsstrukturen, als evidenzbasierte Geburtsoption. Neben vergleichbaren Outcomes werden geringere Interventionsraten und eine höhere Zufriedenheit der Frauen beschrieben.


Das Österreichische Hebammengremium hält ebenfalls fest, dass bei unkomplizierter Schwangerschaft und Vorgeschichte das eigene Zuhause als Geburtsort infrage kommen kann.



Gut geplant, aufmerksam begleitet

Eine Hausgeburt beginnt deshalb nicht erst mit der ersten Wehe.


Bereits während der Schwangerschaft wird geklärt, ob die Voraussetzungen dafür gegeben sind. Für eine geplante Hausgeburt kommen Frauen mit einer Niedrig-Risiko-Schwangerschaft infrage – bekannte Faktoren, die ein erhöhtes Risiko erwarten lassen, werden also bereits vorher berücksichtigt.


Das ist auch wichtig, wenn Zahlen verschiedener Geburtsorte miteinander verglichen werden. Im Krankenhaus werden selbstverständlich genauso gesunde Frauen betreut wie Frauen mit Vorerkrankungen, Risikoschwangerschaften oder bereits bestehenden Komplikationen. Dass in dieser wesentlich breiteren Gruppe insgesamt auch mehr Komplikationen auftreten, ist eigentlich wenig überraschend. 


Frauen, die eine Hausgeburt planen, starten dagegen bewusst mit einer günstigen Ausgangssituation.


Aber auch die schönste unkomplizierte Schwangerschaft macht eine Geburt nicht vollständig vorhersehbar.


Und genau hier kommt die Hebamme ins Spiel.


Sie kennt die Anamnese und den Schwangerschaftsverlauf – und während der Geburt beobachtet sie fortlaufend, wie es Mutter und Kind geht: Wie entwickelt sich die Geburt? Wie sind die kindlichen Herztöne? Wie sieht das Fruchtwasser aus? Wie geht es der Frau? Und später: Wie passen sich Mutter und Baby nach der Geburt an?


Nicht jede Veränderung ist eine Gefahr. Entscheidend ist, sie zu erkennen, einzuordnen und zu wissen, wann eine Situation noch physiologisch ist – und wann sie beginnt, davon abzuweichen.


Deshalb gehört auch der Plan B bereits zum Plan A: Welches Krankenhaus ist erreichbar? Wie erfolgt eine Verlegung? Und wann ist der Zeitpunkt gekommen, die Geburt dort weiterzuführen?


Plan B ist dabei kein Omen. Er ist Teil eines guten Plan A.



Und wenn wir doch ins Krankenhaus müssen?

Eine Verlegung ist nicht automatisch ein Notfall – und schon gar nicht automatisch eine „gescheiterte Hausgeburt“.


Eine Verlegung ist nicht automatisch ein Notfall, wo "die Kacke am Dampfen ist", wie man so schön sagt. Im deutschen QUAG-Qualitätsbericht 2024 wurden nur 0,9 % aller außerklinisch begonnenen Geburten (knapp 15.500!) als Notfall in die Klinik übergeleitet. Der weitaus größere Teil der Verlegungen erfolgte in Ruhe – beispielsweise bei einem verzögerten Geburtsfortschritt oder auf Wunsch der Frau nach erweiterter Schmerztherapie.


Eine Verlegung kann also ganz unspektakuläre Gründe haben: Die Geburt dauert sehr lange, die Frau ist erschöpft oder wünscht sich eine Schmerztherapie, die zuhause nicht möglich ist. Manchmal verändert sich der Zustand von Mutter oder Kind und eine klinische Überwachung oder Behandlung wird sinnvoll. Und natürlich gibt es auch Situationen, in denen rasches Handeln notwendig ist.


Gute Hausgeburtshilfe bedeutet nicht, eine Geburt um jeden Preis zuhause zu Ende zu bringen.


Manchmal ist die beste Entscheidung gerade die, den Geburtsort zu wechseln.

Auch das Österreichische Hebammengremium zählt die sichere Verlegung ins Krankenhaus, wenn sie notwendig wird, ausdrücklich zur Hausgeburtsbetreuung.


Die Klinik ist damit nicht der „Gegenspieler“ der Hausgeburt. Sie ist ein wichtiger Teil des Sicherheitsnetzes, wenn eine Frau bereits mit erhöhtem Risiko in die Geburt startet oder sich die Voraussetzungen unter der Geburt verändern.



Vertrauen heißt nicht wegsehen

Bei Hausgeburten fällt häufig das Wort Vertrauen.


Vertrauen in den eigenen Körper. In das Baby. In die Geburt. In die Hebamme.


Für mich bedeutet Vertrauen aber nicht, Risiken auszublenden.


Ich kann darauf vertrauen, dass Geburt ein physiologischer Prozess ist, und trotzdem die kindlichen Herztöne kontrollieren.


Ich kann einer Frau zutrauen, ihr Kind aus eigener Kraft zu gebären, und gleichzeitig wissen, wann medizinische Unterstützung notwendig wird.


Und ich kann alles dafür tun, eine ruhige, intime Geburt zuhause zu ermöglichen, und trotzdem rechtzeitig sagen: Jetzt ist die Klinik der bessere Ort.


Genau das ist für mich gute Hausgeburtshilfe.


Nicht die Garantie, dass nichts Unvorhergesehenes passieren kann.


Sondern gute Voraussetzungen, eine vertraute Eins-zu-eins-Betreuung, Raum für Physiologie, eine werdende Mama, die auf ihr Bauchgefühl hört und eine Hebamme, die aufmerksam genug ist, zu erkennen, wenn sich etwas verändert.

Du denkst über eine Hausgeburt nach und hast genau solche Fragen im Kopf? Bei meinem Hausgeburts-Infoabend sprechen wir nicht nur darüber, wie schön eine Geburt zuhause aussehen kann, sondern auch über Voraussetzungen, Sicherheit, mögliche Verlegungsgründe und darüber, wie eine Hausgeburt ganz konkret geplant wird.



Blix, E., Kumle, M., Kjærgaard, H., Øian, P. & Lindgren, H. E. (2014). Transfer to hospital in planned home births: a systematic review. BMC Pregnancy and Childbirth, 14, 179. https://doi.org/10.1186/1471-2393-14-179 

Blix, E., Kumle, M. H., Ingversen, K., Huitfeldt, A. S., Hegaard, H. K., Ólafsdóttir, Ó. Á., Øian, P. & Lindgren, H. (2016). Transfers to hospital in planned home birth in four Nordic countries – a prospective cohort study. Acta Obstetricia et Gynecologica Scandinavica, 95(4), 420–428.

Hutton, E. K., Reitsma, A., Simioni, J., Brunton, G. & Kaufman, K. (2019). Perinatal or neonatal mortality among women who intend at the onset of labour to give birth at home compared to women of low obstetrical risk who intend to give birth in hospital: A systematic review and meta-analyses. EClinicalMedicine, 14, 59–70. https://doi.org/10.1016/j.eclinm.2019.07.005 

Reitsma, A., Simioni, J., Brunton, G., Kaufman, K. & Hutton, E. K. (2020). Maternal outcomes and birth interventions among women who begin labour intending to give birth at home compared to women of low obstetrical risk who intend to give birth in hospital: A systematic review and meta-analyses. EClinicalMedicine, 21, 100319. https://doi.org/10.1016/j.eclinm.2020.100319 

Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe e. V. (QUAG) (Hrsg.). (2025). Außerklinische Geburtshilfe in Deutschland – Qualitätsbericht 2024. 1. Auflage. ISBN 978-3-95735-201-9.


Österreichisches Hebammengremium. Hausgeburt – Zu Hause gebären in heimeliger Atmosphäre. Abgerufen am 23.09.2026.


Österreichisches Hebammengremium. Positionspapier: Hausgeburt versus Alleingeburt. 

International Confederation of Midwives. (2026). Home Birth – Position Statement. Zuletzt überarbeitet am 30.06.2026.

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