Geburtsbericht: J's Geburtshausgeburt


Gegen 18:43 Uhr meldet sich J., erstgebärend, telefonisch bei mir. Sie erzählt, sie spüre seit etwa 16 Uhr immer wieder ein kräftiges Ziehen. Noch fühlt es sich aber gut für sie an, zuhause zu bleiben, also vereinbaren wir, dass sie sich noch etwas entspannt und einfach schaut, wie sich die Wehen weiterentwickeln.
Keine halbe Stunde später meldet sie sich wieder. Inzwischen seien die Wellen intensiver und die Abstände etwas kleiner geworden und sie meint, sie würde sich im Geburtshaus nun etwas wohler fühlen. Also machen wir uns auf den Weg und treffen uns gegen 20:30 Uhr im Geburtshaus.
J. hat ihre eigenen Aromaöle mitgebracht und findet schnell ihren Platz im Geburtenzimmer. Sie bewegt sich viel, hört ihre eigene Playlist, probiert verschiedene Positionen aus und folgt dabei sehr intuitiv dem, was sich für sie gerade gut anfühlt. Ihr Partner ist die ganze Zeit ganz nah bei ihr – ruhig, zärtlich und aufmerksam. Die beiden sind wunderbar aufeinander eingespielt.
Kurz darauf, gegen 20:45 Uhr, kommt auch Eva dazu. Sie ist an diesem Abend als Unterstützung für mich da und zieht sich zunächst ins Beratungszimmer zurück, während ich bei J. und ihrem Partner bleibe.
Auch ihr Baby ist zu Beginn noch sehr aktiv – man sieht es ordentlich im Bauch strampeln und die Herztöne sind entsprechend etwas flotter. Ich höre deshalb für eine kurze Zeit etwas engmaschiger nach. J. möchte sich in der warmen Wanne entspannen. Dort werden die Wehen wieder etwas ruhiger und auch ihr Baby kommt langsam zur Ruhe. Die Herztöne pendeln sich schön ein und von da an kontrolliere ich sie wieder ungefähr alle 15 Minuten.
J. nutzt die Pausen zwischen den Wellen immer wieder, um zu trinken, etwas zu essen und sich im Bett auszuruhen. Mit der Zeit wird sie deutlich müder und schafft es sogar, immer wieder kurz wegzudösen. Zwischendurch gähnt sie, schaut ihren Partner und mich an und muss selbst darüber schmunzeln. Ihre Geburt bewegt sich ganz selbstverständlich zwischen solchen ruhigen Momenten und Phasen, in denen wieder mehr Kraft gefragt ist, hin und her.
Gegen 22:50 Uhr hält J. kurz inne, schaut mich an und sagt mit einem leicht schmunzelnden Unterton: „So, jetzt ist ein neues Level der Intensität erreicht.“
Wir lachen gemeinsam.
Im Laufe der nächsten Stunden werden die Wehen kräftiger und J. zieht sich immer mehr in sich zurück. Sie braucht weniger Worte und konzentriert sich ganz auf ihren Körper. Besonders angenehm empfindet sie Gegendruck am Kreuzbein und am Becken. Ich zeige ihrem Partner, wie er während der Wehen leichten Druck auf ihre Beckenkämme ausüben und diesen mit sanften, schüttelnden Bewegungen verbinden kann. Schon bald finden die beiden auch darin ihren eigenen Rhythmus. Zwischendurch blickt sie kurz auf und meint, sie spüre ein paar Tropfen Flüssigkeit – es scheint, als hätte sie einen hohen Blasensprung gehabt.
Immer wieder atmen wir durch einige Wehen gemeinsam. Mit einem langen, deutlichen „Jaaa“ gehen wir durch die Ausatmung und mit der Kraft der Wehe mit. Für J. wird es dadurch leichter, den zunehmenden Druck zuzulassen und sich der Intensität immer weiter hinzugeben. Ihr Partner hält sie dabei, bleibt ganz nah bei ihr und gibt ihr genau den Halt, den sie braucht.
Zwischendurch wird wieder getrunken, gegessen, die Position gewechselt oder einfach kurz ausgeruht. Die Stunden vergehen – mal leise, mal kraftvoll, immer in J.s eigenem Rhythmus.
Gegen 4:50 Uhr möchte J. wissen, wie weit der Muttermund geöffnet ist. 9 cm mit praller Vorblase! Ich grinse und meine, dass diese nun bestimmt bald endgültig springen wird. Ihr Baby darf sich jetzt weiter seinen Weg nach unten suchen und J. folgt weiterhin dem, was ihr Körper sagt.
Gegen 6 Uhr wird es noch einmal ruhiger. Die Abstände zwischen den Wehen werden wieder größer und J. legt sich nochmal ins Bett. Sie kann noch einmal entspannen, die Augen schließen und zwischen den einzelnen Wehen Kraft sammeln. Auch diese Ruhephase hat ihren Platz. Leise sitze ich neben dem Bett und kontrolliere weiterhin die Herztöne – dem Baby geht es weiterhin gut.
Nach und nach kehrt die Intensität zurück. Die Abstände werden wieder kürzer, die Wehen kräftiger und J. spürt nun zunehmend einen ordentlichen Druck am Kreuzbein.
Um 6:48 Uhr bitte ich Eva die Kontrolle der Herztöne mit dem Dopton zu übernehmen, damit ich ganz bei J. bleiben kann.
Bei einem Gang zur Toilette kommt schließlich erstmals deutlicher unwillkürlicher Pressdrang dazu. J. nimmt diese neue Kraft wahr und geht mit ihr mit.
Zurück im Geburtenzimmer setzt sie sich auf den Gebärhocker. Ich knie vor ihr, und sobald die nächste Wehe kommt, legt sie ihre Hände auf meine Schultern. Gemeinsam atmen wir wieder unser langes, kräftiges „Jaaa“. Es hilft ihr, immer mehr loszulassen. Ihr Partner sitzt direkt hinter ihr. Während der Wehen ist J. nach vorne orientiert, hält sich an meinen Schultern fest und atmet mit mir durch die Kraft hindurch. Sobald die Wehe nachlässt, lehnt sie sich zurück in seine Arme. Er hält sie sicher, sodass sie ihr Gewicht ganz an ihn abgeben, die Augen schließen und für einen kurzen Moment wieder weich werden kann. So finden die beiden auch in dieser Phase ihren ganz eigenen Rhythmus – J., getragen von ihrer eigenen Stärke und der Ruhe und Nähe ihres Partners.
Als J. schließlich vom Hocker aufsteht, um sich ins Bett zu legen, springt um 7:10 Uhr die vorgewölbte Fruchtblase. Das Fruchtwasser ist klar.
Zunächst legt sie sich nochmal auf die Seite, findet dann aber bald in den Vierfüßlerstand. Die Wehen sind jetzt kraftvoll und der Druck wird immer deutlicher. Viel muss nicht mehr gesagt werden. J. ist ganz in ihrer Kraft angekommen, ihr Partner bleibt dicht bei ihr und Eva kontrolliert weiterhin die Herztöne.
Mit jeder Wehe kommt ihr Baby ein Stück näher. J. bewegt sich mit dem Druck mit, findet ihre Atmung immer wieder und nimmt sich auch zwischen diesen letzten intensiven Wehen die kleinen Pausen, die ihr bleiben.
Nach all den Stunden – der warmen Wanne, den ruhigen Momenten, dem Essen und Trinken zwischendurch, dem Dösen und Gähnen, ihrem Schmunzeln und dem gemeinsamen „Jaaa“ – verdichtet sich alles immer mehr auf diesen einen Moment. Kurz kommen kleine Zweifel auf, doch auch die bleiben nicht lange.
Mit einem letzten kraftvollen „Jaaa!“ wird J.s Baby um 08:10 im Vierfüßler geboren. Es meldet sich sofort laut und leicht empört über den Temperaturwechsel. Nach dieser langen Nacht ist der kleine Erdenbürger endlich da!
J. nimmt ihn zu sich auf die Brust, ihr Partner direkt an ihrer Seite – und aus all der Kraft, die sie durch die Nacht getragen hat, wird schlussendlich ein gemeinsames Ankommen als Familie.
Liebe J., es war wunderschön, euch bei dieser Geburt begleiten zu dürfen.Du bist deinem Körper durch diese ganze Nacht so intuitiv gefolgt und dein Partner war dabei immer an deiner Seite – zärtlich, ruhig und verlässlich. Zu sehen, wie ihr euch immer wieder gefunden, gehalten und gemeinsam durch jede neue Phase bewegt habt, war etwas ganz Besonderes. Ihr seid ein wunderbares Team. Herzlichen Glückwunsch!



Kommentare